Ein gutes Interface fühlt sich an wie nichts. Es nimmt Reibung weg, nimmt Entscheidungen ab und lässt das Gewünschte wie von selbst geschehen. Genau deshalb ist es so leicht zu übersehen, dass ein Interface eine Form von Verwaltung ist.
Wer den Standard setzt
Jede Voreinstellung ist eine Entscheidung, die jemand für andere getroffen hat. Welche Option ist vorausgewählt? Welche ist drei Klicks entfernt? Welche gibt es gar nicht? In Behörden würde man so etwas Verfahrensrecht nennen. In Software heißt es Produktdesign – und unterliegt keinem vergleichbaren Anspruch auf Begründung.
Wer den Standard setzt, bestimmt oft den Spielraum.
Bequemlichkeit als Regel
Das bedeutet nicht, dass Gestaltung manipulativ sein muss. Die meisten Interfaces sind gut gemeint und oft hilfreich. Aber Hilfe und Steuerung sind schwer zu trennen. Ein System, das mir die nächste Handlung vorschlägt, formt auch, welche Handlungen ich überhaupt in Betracht ziehe.
Drei Prüffragen
Für 027B lässt sich jedes Interface an drei Fragen messen: Welche Entscheidung wird hier verlagert – und an wen? Lässt sich die Voreinstellung verstehen, ändern und begründen? Und was kostet es den Nutzer, anders zu handeln als vorgesehen?
Gute Interfaces beseitigen Reibung. Manchmal beseitigen sie damit auch Widerspruch.

